MindOnDigital

Probezeitgespräch vorbereiten: 15 Minuten, drei Punkte, ein Beispiel

Nach drei Monaten bittet der Teamleiter Ben zum Probezeitgespräch. Ben hat nichts vorbereitet – „das macht ja er“. Der Teamleiter fragt: „Wie läuft es aus deiner Sicht?“ Ben sagt: „Gut, eigentlich.“ Pause. Der Teamleiter nennt zwei Punkte, Ben nickt, nach zwölf Minuten ist das Gespräch vorbei. Ben weiß hinterher nicht, ob er bleiben darf.

Das Gespräch war nicht schlecht. Es war leer. Und das lag zur Hälfte an Ben. Ben ist ein Beispiel – aber eines, das Ausbilder und Teamleiter so ähnlich immer wieder erleben. Die gute Nachricht: Ein Probezeitgespräch vorzubereiten dauert fünfzehn Minuten. Wer sie investiert, führt ein anderes Gespräch.

Warum das Gespräch dir gehört

Feedback- und Probezeitgespräche fühlen sich an wie eine Prüfung, bei der der andere die Fragen stellt. In Wirklichkeit sind sie die eine Gelegenheit im Quartal, in der du für zwanzig Minuten die ungeteilte Aufmerksamkeit deines Ausbilders hast. Wer sie mit „Gut, eigentlich“ verschenkt, bekommt sie erst in drei Monaten wieder.

Was dieser Artikel nicht ist: eine Auskunft zu Fristen, Kündigung oder Rechten in der Probezeit. Das sind Rechtsfragen – dafür sind die Ausbildungsberatung der Kammer, die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder eine Beratungsstelle die richtigen Anlaufstellen. Hier geht es um das Gespräch selbst: was du sagst, und was auf der anderen Seite des Tisches dabei passiert.

Am Tag vorher: die 15-Minuten-Vorbereitung

Zettel oder Handy, drei Überschriften:

1. Drei Dinge, die gut laufen. Konkret. Nicht „ich komme gut klar“, sondern „Ich kann inzwischen die Wareneingänge allein buchen“.

2. Zwei Dinge, die ich noch lernen will. Auch das konkret – es zeigt, dass du weißt, wo du stehst.

3. Eine Frage, die ich stellen will. Zur Übernahme, zur nächsten Abteilung, zu einem Projekt, das dich interessiert.

Mit diesem Zettel gehst du hinein. Nicht, um ihn abzulesen – sondern damit „Wie läuft es aus deiner Sicht?“ keine leere Frage mehr ist. So klingt der Unterschied:

Schwacher Satz: „Gut, eigentlich.“

Besserer Satz: „Aus meiner Sicht läuft die Wareneingangsbuchung inzwischen gut, die traue ich mir allein zu. Woran ich noch arbeite, ist das Telefon mit Lieferanten – da bin ich noch unsicher. Und ich hätte eine Frage zur nächsten Abteilung.“

Warum: In drei Sätzen hat der Teamleiter mehr über dich erfahren als in den ganzen drei Monaten davor. Und er weiß, dass du dich selbst einschätzen kannst – das ist eine der Eigenschaften, die im Probezeitgespräch tatsächlich entschieden werden.

Die Sätze hier sind Beispiele, keine Skripte. Setz deine eigenen Aufgaben ein und formuliere so, wie du redest – ob Du oder Sie, entscheidet dein Betrieb.

Im Gespräch: nach dem konkreten Beispiel fragen

Feedback kommt oft in Pauschalen: „Du könntest etwas selbstständiger sein.“ „Manchmal fehlt mir die Sorgfalt.“ Damit kannst du nichts anfangen. Frag nach dem Beispiel.

Schwacher Satz: „Okay.“

Besserer Satz: „Kannst du mir eine Situation nennen, in der dir das aufgefallen ist? Dann weiß ich, woran ich es festmachen kann.“

Warum: Aus einer Eigenschaft wird eine Situation, und Situationen kann man ändern. Die Frage zeigt außerdem, dass du das Feedback ernst nimmst – nicht abwehrst.

Am Ende: Vereinbarungen wiederholen

Zum Schluss stehen meist zwei, drei Dinge im Raum, die anders werden sollen. Wiederhole sie. Laut.

Schwacher Satz: (nicken und gehen)

Besserer Satz: „Damit ich es richtig mitnehme: Ich übernehme ab nächster Woche die Lieferantentelefonate selbst, und wir schauen in vier Wochen noch einmal drauf. Richtig?“

Warum: Was du wiederholst, ist vereinbart. Was du nur nickst, ist vergessen – auf beiden Seiten. Nach dem Gespräch schreibst du dir die Punkte auf. Beim nächsten Gespräch bringst du sie mit.

Die Frage, die sich in jedem Gespräch lohnt

Egal, wie das Gespräch läuft: „Gibt es etwas, das ich aus deiner Sicht anders machen sollte, damit es hier gut weitergeht?“

Diese Frage öffnet die Tür für das, was sonst unausgesprochen bleibt. Und sie ist die beste Versicherung gegen die Überraschung am Ende der Probezeit.

Die andere Seite

Im Probezeitgespräch muss der Ausbilder etwas entscheiden, und das ist ihm meist unangenehmer als dir: Passt es oder passt es nicht? Fachliches spielt dabei eine kleinere Rolle, als du denkst. Er sucht Signale: Weiß der Neue, wo er steht? Nimmt er Feedback an oder wehrt er es ab? Fragt er nach? Kommt er mit eigenen Punkten?

Ein Azubi, der drei konkrete Sätze über sich sagen kann, hat das Gespräch meist schon gewonnen. Einer, der „gut, eigentlich“ sagt, zwingt den Ausbilder zum Raten – und Raten fällt selten zugunsten des Neuen aus.

Drei Punkte, die gut laufen, zwei, die du lernen willst, eine Frage – und am Ende wiederholen, was vereinbart ist. Mehr ist es nicht.

Mehr davon: das Buch zum Berufsstart

Dieser Artikel ist ein Kapitel aus „Die ungeschriebenen Gesetze im Job“ – dem Ratgeber von MindOnDigital für Ausbildung, Studium und Berufseinstieg. Dort geht es weiter mit dem, was vor und nach dem Probezeitgespräch kommt: Kritik annehmen, ohne sich zu rechtfertigen. Fehler melden, bevor es jemand anderes tut. Und später die Übernahme ansprechen – sechs bis neun Monate vor dem Ende, nicht in der letzten Woche. Jede Situation mit einem schwachen und einem besseren Satz, und jede aus beiden Blickwinkeln. Im Premium-Bundle liegt dazu die Checkliste „Feedbackgespräch und Probezeit“ zum Ausfüllen.

Die ungeschriebenen Gesetze im Job – zur Buchseite

FAQ – Häufige Fragen zum Probezeitgespräch

Wie bereite ich ein Probezeitgespräch vor?

Am Tag vorher drei Dinge notieren, die gut laufen (konkret), zwei, die du noch lernen willst, und eine Frage, die du stellen willst. Mit diesem Zettel ins Gespräch.

Was sage ich, wenn das Feedback schwammig ist?

Nach einem Beispiel fragen: „Kannst du mir eine Situation nennen, in der dir das aufgefallen ist?“ Aus einer Eigenschaft wird eine Situation – und die kann man ändern.

Worauf achtet der Ausbilder im Probezeitgespräch?

Weniger auf Fachliches als auf Signale: Weiß der Neue, wo er steht, nimmt er Feedback an, fragt er nach, bringt er eigene Punkte mit?

Gratis: Spickzettel + Jahreskalender 2027 (Excel & PDF)

Die 15 besten Sätze für schwierige Situationen im Job

Als Spickzettel zum Ausdrucken oder fürs Handy. Trag deine E-Mail-Adresse ein: Nach der Bestätigung bekommst du den Spickzettel, dazu den Jahreskalender 2027 als Excel und PDF, und etwa einmal im Monat eine Mail mit einem Satz für eine schwierige Situation im Job.

Fast geschafft: Bitte bestätige die Mail in deinem Postfach. Danach öffnet sich direkt die Seite mit Spickzettel und Jahreskalender.